

Der Schlüssel zu
einer glücklichen Partnerschaft ist das Bewusstsein. Denn ohne einen gemeinsamen
Bewusstseinsprozess ist eine glückliche Beziehung kaum möglich.
Für diesen Lernprozess braucht jeder der beiden Partner die Einsicht, dass die Beziehung
ein Lernprozess sein wird, der für beide notwendig und heilsam ist, wenn beide auf dem
Weg des menschlichen Miteinanders weiterkommen wollen. Zusätzlich braucht jeder von ihnen
den Willen, sich den Problemen und Konflikten, die natürlicherweise auftreten werden, zu
stellen und auch in schweren Zeiten dabeizubleiben.
Wenn man eine Beziehung bewusst und in Liebe lebt, ist sie ebenso ein Weg, der wie andere
Wege-zum Beispiel Meditation- zur Selbsterkenntnis führt.
Die Eintrittskarte für das bewusste Miteinander ist die Bereitschaft, offen und ehrlich
miteinander umzugehen, was nicht heisst, dass man dem anderen alles haarklein erzählt,
sondern, dass man das, was man fühlt und denkt, jeweils im Hier und Jetzt
zum Ausdruck bringt, um dadurch im Umgang miteinander sichtbar und greifbar zu werden.
Ebenso wichtig ist es, dass wir lernen den anderen zu lassen, wie er ist. Das heisst
nicht, ihm gegenüber gleichgültig zu sein oder nicht mehr auf ihn zu reagieren, wie das
häufig missverstanden wird, sondern die innere Haltung zu haben, dass alles sein darf,
auch wenn es mir etwas ausmacht.
Mein
Partner darf so sein, wie er es für richtig hält, ohne dass ich ihn manipuliere,
zwinge oder bestrafe!
Erst in dieser Freiheit kann die Liebe
blühen. Was die Beziehung zwischen Mann und Frau so fruchtbar machen kann, ist, dass
jeder von ihnen in seiner Grundstruktur, seinen Eigenschaften, Gefühlen,
Verhaltensweisen, in seinen Sonnen- und Schattenseiten sowie in seinen Stärken und
Schwächen sichtbar für sich selbst und den anderen wird. In diesem Erkenntnisprozess
liegen grosse Wachstumsmöglichkeiten für beide Partner: Jeder kann sich im anderen
erkennen. Zum Beispiel sehe ich im anderen meinen bisher verdrängten Geiz oder entdecke
meine Anmut, die mir bislang nicht bewusst war. Jeder lernt dadurch sich selbst besser
kennen und verstehen. Hinzu kommt, dass ein Mensch nur über das hinauswachsen kann, was
er bei sich erkennt, zum Beispiel: Erst wenn ich meinen Neid erkenne, spüre und annehmen
lerne, kann ich mich verwandeln. In der "Mann-Frau-Beziehung" in der wir uns
schon allein durch die Sexualität deutlich näher kommen als in allen anderen
Beziehungen, können wir uns nicht auf Dauer verstecken. Selbst, wenn sich jemand gar
nicht zeigt, wird sichtbar, wie verschlossen er ist. Dadurch hat jeder neben seinem
Erkenntnisprozess die Chance, alte Haltungen und Einstellungen, die der Liebe im Wege
stehen und die Beziehung gefährden, über Bord zu werfen, zum Beispiel "Ich ziehe
mich zurück, wenn du nicht so bist, wie ich mir das vorstelle".
Zusätzlich kann jeder der beiden lernen, seinen Partner mit den Augen der Liebe zu sehen,
ihn darin zu verstehen, sich an ihm zu reiben und ihn bedingungslos anzunehmen.
In diesem Prozess wird wiederum sichtbar,
wieviel Bewusstsein jemand schon über sich zulassen kann. Darf der andere alles von ihm
sehen oder nur einen Teil, nämlich nur die "guten" Seiten? Oder nur das, was er
selber an sich sehen kann? -Auf der anderen Seite kommt heraus, ob der einzelne schon
fähig ist, den anderen zu sehen, oder ob er nur sich selbst sieht.
Genau an diesem Selbsterfahrungsprozess scheitern die meisten Paare. Zum einen, weil sie
diesen Prozess nicht kennen und nicht gelernt haben, damit umzugehen. Dadurch wissen sie
auch nicht, wie wichtig das Gesehenwerden und das Sehen für ihre eigene Entwicklung ist,
vor allen Dingen für ihre eigene Offenheit und ihre Liebesfähigkeit. Zum anderen, weil
die meisten Menschen das Gesehenwerden mit Kritisieren in Verbindung bringen und Strafe
und Ablehnung befürchten.
Andere fürchten die Konsequenzen, wenn sie ihren Partner sehen und auf ihn reagieren oder
ihm einfach mitteilen, was sie sehen.
Sie
fürchten, den anderen zu verlieren, - abgelehnt zu werden, - nicht mehr geliebt zu
werden,
- in Probleme zu geraten, die sie nicht bewältigen können.
Die Folge davon ist, dass sich die meisten Menschen auch in ihren engsten Beziehungen nicht vollständig zeigen und statt dessen gelernt haben, sich zu verstecken und ihre Wahrheit hinter verschiedenen Masken zu verbergen. Eine Beziehung kann jedoch nur fruchtbar werden, wenn beide Partner den Wunsch entwickeln, immer transparenter zu werden. Mit anderen Worten:
"Ich zeige mich dir so wie ich wirklich bin,Das verlangt von beiden Partnern, dass sie lernen, mit den Sichtweisen und Reaktionen des anderen umzugehen und mit ihrer Zuneigung und Energie dazubleiben, auch wenn das in ihnen gleichzeitig wieder andere Reaktionen auslöst.
Wenn man für einen Menschen offen ist, sieht man einfachDer oben beschriebene Bewusstseinsprozess
ist deswegen so wichtig, weil wir durch ihn zur Liebe finden. Um das zu verstehen, eine
kurze Beschreibung der Liebe:
Liebe ist eine Energie, die im ganzen Universum vorhanden und jedem Menschen zugänglich
ist, wenn er sich für diese Liebesenergie öffnet. Jemanden zu lieben, heisst also: "Ich bin offen für dich". Die Liebe ist
ein Zustand der Offenheit, kein Gefühl, auch wenn wir natürlich eine Menge fühlen, wenn
wir lieben. Die Liebesfähigkeit eines Menschen hängt davon ab, wie weit sich jemand
öffnet und wie lange er offen bleiben kann.
Und wenn man für einen Menschen offen ist, sieht man einfach alles an ihm. Seine
Stärken, seine Schwächen, seine Sonnen- und Schattenseiten, und wenn man nicht
ausspricht, was man sieht, kann man auf Dauer nicht offen bleiben, also nicht dauerhaft in
Liebe sein.
Um einen anderen Menschen zu lieben, braucht man seine Sichtbarkeit, denn man kann nur das
lieben, was man sieht. Sich mehr und mehr füreinander zu öffnen, um immer mehr in Liebe
sein zu können, ist sehr erfüllend und fruchtbar; dabei sollten wir jedoch unser Endziel
nicht aus den Augen verlieren, nämlich zur bedingungslosen universalen Liebe zu finden.
Wenn einem Paar dieses Ziel fehlt, können sie ihre Liebe auf Dauer nicht erhalten. Denn
auch die Liebe verlangt nach Weiterentwicklung!