© "life Institut" Bern, 02.03.04

life Institut
Warum wir immer urteilen?

   Wir Menschen haben immer gleich ein Urteil zur Hand!
Die ganzheitliche Lebenslehre zeigt,
dass dadurch Vorurteile und Verurteilung
sehr nahe beieinander stehen.
Mit einem alten Indischen Märchen aus dem hinduistischen Glauben,
möchten wir versuchen aufzuzeigen,
wie wichtig es ist, nicht immer gleich zu
urteilen!

Ein alter Mann lebte in einem Dorf, sehr arm, aber selbst Könige waren neidisch auf ihn, denn er besass ein wunderschönes Pferd... Könige boten phantastische Summen für das Pferd, aber der Mann sagte: "Dieses Pferd ist für mich nicht nur ein Tier, dieses Pferd ist auch mein guter Freund. Und wie kann man einen guten Freund verkaufen?"
Der Mann war arm, aber verkaufte sein Pferd nie. Eines Morgens fand er sein Pferd nicht im Stall. Das ganze Dorf versammelte sich, und die Leute sagten: "Du dummer alter Mann. Wir haben immer gewusst, dass dein Pferd eines Tages gestohlen würde. Es wäre besser gewesen, es zu verkaufen. Welch ein Unglück."
Der alte Mann sagte: "Geht nicht so weit, das zu sagen. Sagt einfach: Das Pferd ist nicht im Stall. Soviel ist Tatsache; alles andere ist Urteil. Ob es ein Unglück oder ein Segen ist, weiss ich nicht, weil dies ja nur subjektiv ist. Wer weiss, was darauf folgen wird?"
Die Leute lachten den Alten aus. Sie hatten schon immer gewusst, dass er ein bisschen verrückt war. Aber nach fünfzehn Tagen kehrte eines Abends das Pferd plötzlich zurück. Es war nicht gestohlen worden, sondern in die Wildnis ausgebrochen. Und nicht nur das, es brachte auch noch ein Dutzend wilder Pferde mit. Wieder versammelten sich die Leute, und sie sagten: "Alter Mann, du hattest recht. Es war kein Unglück, es hat sich tatsächlich als ein Segen erwiesen."
Der Alte entgegnete: "Wieder geht ihr zu weit. Sagt einfach: Das Pferd ist zurück... wer weiss, ob das ein Segen ist oder nicht? Es ist nur eine Annahme. Ihr lest nur ein einziges Wort in einem Satz, wie könnt ihr das ganze Buch beurteilen?" Dieses Mal wussten die Leute nicht viel einzuwenden, aber innerlich wussten sie, dass der Alte unrecht hatte. Denn, zwölf herrliche Pferde waren gekommen...
Der alte Mann hatte einen Sohn, der begann die Wildpferde zu trainieren. Schon eine Woche später fiel er vom Pferd und brach sich beide Beine. Wieder versammelten sich die Leute, und wieder urteilten sie. Sie sagten: "Wieder hattest Du recht. Es war ein Unglück. Dein einziger Sohn kann nun seine Beine nicht mehr gebrauchen, und er war die einzige Stütze deines Alters. Jetzt bist du ärmer als je zuvor." Der Alte antwortete: "Ihr seit besessen vom Urteilen. Geht nicht soweit. Sagt nur, dass mein Sohn sich die Beine gebrochen hat. Niemand weiss, ob dies ein Unglück oder ein Segen ist. Das Leben erfahren wir im jetzt, und mehr bekommt ihr nicht zu sehen."
Es ergab sich, dass im Land wo die Leute lebten, ein Krieg begann. Alle jungen Männer des Ortes wurden zwangsweise zum Militär eingezogen. Nur der Sohn des alten Mannes blieb zurück, weil er verkrüppelt war. Der ganze Ort war von Klagen und Wehgeschrei erfüllt, weil dieser Krieg nicht zu gewinnen war, und man wusste, dass die meisten der jungen Männer nicht nach Hause zurückkehren würden. Sie kamen zum alten Mann und sagten: "Du hattest recht, alter Mann, es hat sich als Segen erwiesen. Dein Sohn ist zwar verkrüppelt, aber immerhin ist er noch bei dir. Unsere Söhne sind für immer fort." Der alte Mann antwortet wieder: "Ihr hört nicht auf zu urteilen. Niemand weiss. Sagt nur dies, dass man eure Söhne in die Armee eingezogen hat, und dass mein Sohn nicht eingezogen wurde.
Doch nur Gott, nur das Ganze weiss, ob dies ein Segen oder ein Unglück ist." Tatsächlich ist die Reise nie zu Ende. Der Pfad endet, ein anderer beginnt. Die eine Tür schliesst sich eine andere öffnet sich. Du erklimmst einen Gipfel, es gibt immer einen höheren Gipfel.

Unser Leben ist gleich dem Universum, ...eine endlose Reise!

(nach Osho, überarbeitet durch life-Institut)             

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